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 Festivalprogramm


In der Gruppenausstellung im Neuen Fabrikgebäude im Collini Areal Hohenems zeigt Songül Boyraz ihre neue Fotoserie „Game Over". Im Stadtteil Yenibosna in ihrer Heimatstadt Istanbul beobachtet die Künstlerin mit ihrer Kamera kurdische und syrische Flüchtlingskinder, die sich auf einer verlassenen, heruntergekommenen Baulücke spielerisch ein "Zuhause" einrichten. Die Kamera lenkt den Blick inmitten von Leid und Armut auf eine Oase kindlicher Utopie. Daneben ist die mit Peter Höll gemeinsam für die Istanbul Biennale 2005 entstandene Arbeit "Allah korusun / Gott behüte" zu sehen.

 

Songül Boyraz, Game Over

Die Installation „Ohne Schritt" von Miriam Hamann behandelt die Phänomene Serie, Masse, Anordnung und Wirkung. Abstrahierte Formen des menschlichen Fußes werden als Beton-Multiple vervielfältigt. Der Beton steht dabei im Gegensatz zum fragilen Aufbau des menschlichen Fußes, gleichzeitig spielt er auf die Stärke an, die dem Fuß zugeschrieben werden muss; trägt er doch den Großteil der Last des Körpers und ist für die Fortbewegung verantwortlich. Die Anordnung der Fuß-Paare im Raum spiegelt die der Arbeit zugrunde liegenden Themen Masse und Wirkung wieder: Masse in der Physik bedeutet die Ursache der Gewichtskraft und Maß der Trägheit des Körpers, während man in der Soziologie von Masse als einer großen, räumlich zusammenhängend agierenden Anzahl von Menschen spricht.

„emoji analogue/the nudes“ ist eine fotografische Serie von Eva Kees, in der aus der digitalen Kommunikations–Urform, dem Emoji, ein ebenso künstliches aber umgekehrt analoges Abbild geschaffen wird. Die Künstlerin setzt sich dabei mit einer zunehmend essentiellen Kommunikationsform auseinander: dem global lesbaren Code in Form eines durch ein Zeichen komplett abgekürzten emotionalen Zustands, dem besagten Emoji. Kees nimmt Bezug auf ein brisantes Thema, den politisch korrekten Umgang mit Identität, der hier in Form von Handschuhen dargestellt wird und spielend einfach angenommen und abgelegt werden kann.

Michail Michailov, Refuging

Michail Michailov ist in seiner Videoarbeit „Refuging" im hochalpinen Gelände zu beobachten. Gekleidet in einer schützenden Spezialanfertigung spurt der Künstler mit alpiner Schiausrüstung immer tiefer einen Kreis in den Schnee. Michailov kämpft dabei ähnlich wie in einer Sportart, hält aber auch inne, um mit gesammelten Kräften aufs Neue einige Meter zu bewältigen. Zeit wird zu einem wesentlichen Faktor ... Die Videoarbeit wirft einen auf seine eigene Befindlichkeit zurück, egal ob man Zuflucht anbietet oder diese sucht. Dabei stellt sich die Frage nach einem Ausweg aus wiederkehrenden Mustern.

Das Projekt von TAB ( Therese Leick, Philippe Jans, Charles Rauch und Wilhelm Scherübl) mit Falk Lennart Kremzow stellt in Form einer Publikation eine Dystopie von Europa dar. Eine aktuelle nationale, anti-soziale Agenda europäischer Politiker_innen und Einwohner_innen ist Ausgangspunkt des fiktiven Zukunftsszenarios. Dazu entworfene Bilder und Texte sollen bei den Leser_innen einen Eindruck möglicher Folgen und Auswirkungen der momentanen Forderungen hinterlassen. 

Extras

„r e c o l l e c t i o n“ ist eine Flächenarbeit im öffentlichen Raum von Rainer Noebauer-Kammerer, die im Zuge des Kunstfestivals "bock auf kunst" 2015 entstanden ist. Der Titel bezeichnet das Auftreten von etwas, das zuvor stattgefunden hat. 
 
Erst im Laufe der Zeit, wenn Vieles schon vergessen, veraltet und verschmutzt ist, wurde Noebauer-Kammerers Intervention sichtbar und lesbar. Mittels Sprühflasche, Pinsel und Schablone wurden Muster im öffentlichen Raum aufgebracht, hierfür wurde eine durchsichtige Versiegelung aus der Nanotechnik verwendet. Erst durch Witterungseinflüsse und Umweltverschmutzung wurden die Muster sichtbar. Die Resultate werden beim diesjährigen Festival in Form von Fotoarbeiten präsentiert.

Interventionen, Performances & Workshops

 
Freitag, 9. September

15–17h
Artist-in-Residence: Maria Bichler 
Open Studio: Fr und Sa, 15–17h
Ort: Marktstraße 29, Hohenems

Mit ihrem aufklappbaren, tragbaren Atelier wandert Maria Bichler als globale Künstlerin durch die Welt. Dieses Atelier, eine Art funktionaler „Koffer", entwickelte Bichler im Rahmen ihrer Masterarbeit. Der Sinn des Koffers ist es, eine Brücke zum Start nach dem Studium zu schaffen. Ortsunabhängigkeit, Selbstversorgung und Bewegungsfreiheit bietet dieses Atelier und es soll mit der Künstlerin an verschiedenste Orte reisen. In Hohenems schlägt sie während der Festivalzeit ein temporäres Lager in Form einer Residency auf. Den Koffer klappt sie vor Ort auseinander, die Reize des Ortes werden während des Festivals eingesogen und fließen in die Arbeit ein. Das Atelier steht für Besucher_innen offen. Endpräsentation zur Finissage am 11. September.

Kollektiv K__K, Bring a banana and we will send our coordinates!

ab 15.30h
Kollektiv K__K: „Bring a banana and we will send our coordinates!"
Performative Installation
Ort: Alter Rhein, Hohenems
(Bekanntgabe des Standortes und Fahrradverleih im bock auf kunst–Treffpunkt)

Herzliche Einladung ins Niemandsland! Die nationale Grenze, die in Hohenems der alte Rhein bildet, wird ausgelotet. Freistaat, Bananenrepublik, Selbstbestimmung, Anarchie? Wo liegen die Grenzen? Während eines Nachmittags nehmen die Besucher_innen Teil am Entstehungsprozess eines noch undefinierten Raumes. Bitte eine Banane zum Tauschhandel mitbringen!

18–19h
Oliver Hangl: Flüstertunnel"
Intervention
Ort: Stadtzentrum Hohenems

Der Wiener Medien- und Konzeptkünstler Oliver Hangl inszeniert unangekündigt an mehreren neuralgischen Orten der Stadt einen menschlichen Tunnel, der sich nur individuell und Schritt für Schritt erkunden lässt. Beim Gang durch ein Menschenspalier werden den Hohenemser_innen Hangls invasive Botschaften Wort für Wort ins Ohr geflüstert. Der Künstler entwickelt ein orts- und kontextspezifisches Interventionstool, das die Gesellschaft auf direktem Weg erreichen soll.

Mach mit! Mind. 20 Teilnehmer_innen, Anmeldung unter: office@onsite-artprojects.com

Mann&Klamm

22h 
Mann&Klamm
DJ–Set
Ort: bock auf kunst–Treffpunkt
Marktstraße 33, Hohenems

2010, die Blicke kreuzten sich und Amore lag in der Luft. Somit war der Grundstein für die Mission Mann&Klamm gelegt. Seitdem produziert das DJ-Duo den Stoff aus dem lange, verschwitzte Club Nächte bestehen. Jedoch sind Mann&Klamm keine DJs wie man sie kennt. Vielmehr versucht das Duo mit viel Liebe und Eleganz ein wenig Sexappeal auf den Dancefloor zu zaubern. So kommt es auch nicht selten vor, dass eine Scheibe noch einmal zärtlich in den Arm genommen wird, bevor sie den Weg auf die Decks findet. Nicht, weil das so interessant aussieht sondern weil es sich so am besten anfühlt.

Samstag, 10. September

14–18h 
Julia Felder, Theater zum Leben: „Hier / Dort. Eine Vision, in der sich Grenzen verschieben dürfen“

Workshop
Ort: Neues Fabrikgebäude, Rosenplatz, Collini Areal Hohenems
Schweizer Straße 59, Hohenems

Theatre can help us build our future, rather than just waiting for it. (Augusto Boal)

„Hier / Dort “ ist ein Theaterworkshop zum Thema Grenzen in einer vielfältigen Gemeinschaft unter Einbeziehung zugezogener und einheimischer Visionär_innen.
Der Workshop ermöglicht eine bewegende, schöne und intuitive Form des Dialogs. Mit der Sprache des Theaters können wir unsere gemeinsamen Herausforderungen und Visionen zum Thema Grenzen künstlerisch erforschen. Dies schafft Raum für die Entwicklung einer gemeinsamen Vision. 
Folgende Fragen werden thematisiert: Was bedeuten Grenzen für uns als globale Menschheit und als lokale Gemeinschaft? Welche Art von Grenzen brauchen wir wirklich? Welche Veränderung wäre nötig, um eine gute Balance von Begrenzung und Offenheit zu finden? Wie könnte unsere gemeinsame Vision aussehen?
Das Theater zum Leben lädt ein eigene Erfahrungen auf kreative Weise ins Spiel zu bringen. So werden die Teilnehmenden zu Schauspieler_innen, Regisseur_innen und Zuschauer_innen des Theaters. Im Sinne des vielfältigen Austausches wird für verschiedene Sprachen übersetzt. 

Mach mit! Bis zu. 20 Teilnehmer_innen ab 15 Jahren.
Anmeldung unter office@onsite-artprojects.com

15–17h
Artist–in–Residence: Maria Bichler 
Ort: Marktstraße 29, Hohenems

Open Studio: Fr und Sa, 15–17h

18h
Renate Burger mit AMúR WIEN: Ein Platz an der Tafel“ – Mikro-Kosmos Essen
Kulinarisches Event mit musikalischer Begleitung
Ort: Jüdisches Museum Hohenems, Schweizer Str. 5, Hohenems

Vorarlberg ist seit jeher durch Wanderung und Zuzug von Menschen unterschiedlicher Herkunft in Bewegung: Alemannen, eine jüdische Bevölkerung, sogar Delegationen aus Afrika haben diese Region geformt – auch durch die Küchen ihrer Ursprungsländer. Ein „Platz an der Tafel“ macht diesen einzigartigen Schatz von Kulturgut sichtbar. Die Comtese de Hohenembs, Alter Ego jener Menschen, die sich „auf die Reise machen“ – lädt ein, Gerichte und Geschmäcker aus verschiedenen Zeitepochen und Teilen der Welt zu entdecken, Verbindendes im Fremden sinnlich zu erfahren, sich unbekannten Menschen und Regionen häppchenweise anzunähern. Die Besucher_innen sind eingeladen, ihre „Sehnsuchtsorte“ durch ein Rezept, das sie an eine bestimmte Region oder an ihre Heimat erinnert, mitzubringen (A5 Format). Diese spezifische Rezepte-Sammlung wird in einer Installation abgebildet.

Iss mit! Anmeldung unter: office@onsite-artprojects.com
Für das Essen wird ein kleiner Unkostenbeitrag eingehoben.

Sonntag, 11. September


16–18h 

Hannes Egger „Tänzer Aaron"
Hip–Hop Dance–Workshop mit Aaron Amoatey
in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems
Ort: Salomon Sulzer Saal, Schweizer Straße 21, Hohenems



Diese partizipative Kunstperformance findet in Erinnerung an Aron Tänzer, eine der herausragenden Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde von Hohenems, statt. Im Rückgriff auf Leben und Werk von Rabbiner Aron Tänzer erarbeiteten der Tänzer Aaron Amoatey mit dem Künstler Hannes Egger eine eigene Hip Hop – Choreographie, die während des Workshops vermittelt wird. 

Mach mit! Max. 15–20 Teilnehmer_innen, Anmeldung unter: office@onsite-artprojects.com

ÜÜ - Norbert Mayer, spoken word / Alfred Vogel, soundz

19h 
Finissage
Artist-in-Residence Maria Bichler: Endpräsentation 

ab 20h: ÜÜ – Norbert Mayer, spoken word / Alfred Vogel, soundz
Ort: Neues Fabrikgebäude, Rosenplatz, Collini Areal Hohenems

Die Spoken-word-Performance von ÜÜ (Norbert Mayer, spoken word / Alfred Vogel, soundz) bezieht ihren skurrilen Reiz aus dem kunstvollen Ineinander und Gegeneinander von Bregenzerwälder Dialekt-Fragmenten, englischen Passagen und hochdeutschen Zitaten, die sich wechselseitig kommentieren und ironisieren. Das hat Tiefsinn und Witz – immerhin schafft es Mayer, in einen Text zur grassierenden Bschütto-Manie Zitate von James Joyce, Ingeborg Bachmann und Steve Jobs zu verpacken. Und er lässt tief in die Wälder-(Touristik)-Herzen blicken: „and what´s about the traffic here / and what´s about the kids tomorrow ?/ dinas gaut fründe subor nix a / meaor schaffod krüzteifl – gischt-was-hascht / und lond üs dau nüd vorsuhauro". Alfred Vogel verdichtet die Aussagen mit dezent-wirkungsvoller Perkussionsarbeit, greift auch mal zur Klampfe, nützt elektronische Feinarbeit zur Untermalung und betätigt sich als Background-Vokalist. Ein ausgefallener Spaß für den fortgeschrittenen Literatur-Fan. (Peter Füssl, Kulturzeitschrift)